 |
 |
 |
 |
|
Von Melanie Müllenborn
Erkrath. “Kommen Sie, ich zeig Ihnen mein
Ahnenstübchen." Mit diesen Worten auf den Lippen geht Oskar Rahmann voran. Zuerst die Treppe rauf, ins erste Obergeschoss seines Häuschen am Amselweg. Dann links, in einen kleinen Raum mit
Dachschräge. In dem ist es urge- mütlich. Dafür sorgt die Einrichtung. Und ein festes Ticken, des die paar Quadratmeter erfüllt. Das Pendel einer alten Wanduhr schwingt schwer
hin und her. Licht fällt durchs Fenster direkt auf einen kleinen, antiken Sekretär. Und in den Regalen stehen Bücher: ein Lateinlexikon, etwas über das bäuerliche Leben im Münsterland, Abhandlungen
über die Frühindustrialisierung.
|
|
|
Bilder aus den Anfängen der Fotografie
|
|
|
|
"Mein Reich", sagt Rahmann. Und warum er diesen Raum "Ahnenstübchen"
nennt, ist eigentlich sofort klar. An der Wand hängen fast 40 Bilder Fotos aus alten und uralten Zeiten. "Meine Vorfahren", deutet Rahmann auf die Reihen. "Die Bilder unten zeigen
uns, meine Familie, meine Kinder." Die Bilder oben stammen aus den Anfängen der Fotografie. "Mein Ur-Großvater", so Rahmann. "Ich habe sie aufgehängt, wie einen Stammbaum."
Seit über 40 Jahren geht Oskar Rahmann einem besonderen Hobby
nach. Der 85-Jährige hat sich der Ahnenforschung verschrieben. Woher komme ich? Woher kommt meine Familie? Wie haben meine Vorfahren gelebt? Das sind die Fragen, die den Erkrather antreiben. Und nach vier Jahrzehnten Spuren- suche sind dabei ansehnliche Ergebnisse herum gekommen.
"Alles fing an, als mein Vater mir immer wieder von alten Zeiten erzählte", so Rahmann. Seine Familie hat ihre Wurzeln nicht im Rheinland. Vater und Großvater sind viel herumgekommen. Mal verschlug es sie nach Hamm, mal nach Höxter oder nach Kassel. "Ich habe immer mal
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
gefragt: ,Woher kommen wir denn ursprünglich?` Doch darauf wusste keiner
eine Antwort. Nur eines war klar: "Der Großvater kommt
irgendwie aus Münster", war der Satz, den Rahmann mit auf den Weg bekam. "Irgendwann habe ich beschlossen, die Wurzeln der Familie zu suchen." Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg unternahm Rahmann erste Recherche-Versuche. Doch ernst wurde es erst in den 60ern.
|
|
|
Die Familie bis ins 16. Jahrhundert erforscht
|
|
|
|
Rahmann lernte: Kirchenbücher, Stadt- und Staatsarchive, Bistumsakten und
private Samm- lungen könnten ihm bei der Spu- rensuche
helfen. Heute hat er die Geschichte der Familie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt. Und wohl kaum ein Ahnenforscher kann von sich sagen, dass er so professionell arbeitet. Rahmann ist förmlich eingetaucht in die Geschichte. So fand er nicht nur heraus, dass seine Familie von einem Bauernhof bei Warendorf stammt. Er lernte auch, wie seine Ahnen jeweils gelebt haben.
|
|
 |
 |
|
"Das ganze Geheimnis ist, dass ich mich mit Namen,
Geburtsoder Todesdaten nie zufrieden gegeben habe",
sagt Rahmann und deutet auf sein Bücherregal. "Ich habe auch immer viel über die jeweiligen Epochen angelesen." In vier Büchern, die er auf eigene Kosten hat drucken lassen, hat er alles niedergeschrieben. Darunter finden sich auch Informationen über die Familie seiner Frau. "Das war ja noch viel interessanter. Denn da gab es nicht wie bei mir rein bäuerliche Vorfahren. Diese Familie stammt aus dem Bergischen Land. Und die haben plötzlich Hammerwerke und Schleifkotten."
Der 13. Generation seiner Familie gehört Rahmann an. "Und die 16. ist schon geboren", sagt er in Anspielung auf seine Urenkel. Die 15. Generation hat
er indessen mit seinem Forschungsdrang angesteckt. "Die Schwiegerkinder überlegen auch, ihre Familien zu erforschen." Die werden da natürlich die Unterstützung der
elektronischen Datenverarbeitung nutzen können. "Das ist aber nichts mehr für mich", sagt Rahmann. Lieber arbeitet er mit Schreibmaschine und Füllfederhalter. Unermüdlich. In
seinem "Ahnenstübchen".
|
|
 |
 |
|
Stichwort Ahnenforschung
|
 |
|
|
|
Was ist Ahnenforschung? Wer seine Famile erforscht, versucht die verwandtschaftlichen Zusam- menhänge aufzuhellen und in die
Geschichte einzurodnen, betreibt Familien- / Ahnenforschung (Genealogie).
Wer kann Ahnenforschung betreiben? Familien- und Ahnenforschung kann jeder als Hobby betreiben. Es erfordert ein bisschen Einarbeitung. ´Meist
muss mit handgeschriebenen alten Akten gearbeitet werden. Lateinkenntnisse sind von Vorteil. Doch mit ein bisschen Übung kann das jeder.
|
Wie betreibt man Familien- kunde? Man beginnt damit,
die Geburts-, Tauf, Heirats- und Todesdaten der Eltern zu untersuchen. Die stehen im Familienstammbuch. Es hilft auch, ältere Verwandte zu befragen und Einsicht in deren Stammbücher zu nehmen. Akten in Kirchen-, Staats- und Stadtarchiven bringen Licht ins Dunkel familiärer Bande und Vergangenheit..
Wo kann ich mich informieren? Der Bergische Verein
für Familienkunde bietet monatliche Vereinstreffen, Mitglieder geben Hilfestellung. Vorsitzender ist Lutz von Scheidt, Telefon 0202/522351.
Infosgibt es auch unter www.bvff.de
|
|
|